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Versicherungsbetrug – Volkssport ohne Nebenwirkungen? Ethische Norm und wirtschaftlicher Vorteil in einer ausgewählten Dilemmasituation

Unter einem »Betrüger« stellen sich die meisten Menschen sicherlich einen skrupellosen Wirtschaftskriminellen vor, der sich widerrechtlich persönlich bereichert, indem er das Unwissen Anderer ausnutzt. In einzelnen Versicherungssparten gelten jedoch 25-40 % der Schadensmeldungen als fingiert oder manipuliert. Demzufolge wären sehr viele Versicherungsbetrüger unter unseren Mitmenschen. Ist Versicherungsbetrug tatsächlich ein solcher "Volkssport"?

Versicherungsbetrug wird oft nicht als kriminelle Handlung angesehen, sondern als "Kavaliersdelikt". Kein Wunder, wenn es Versicherungsbetrügern an Unrechtsbewusstsein fehlt und sie den Schaden leugnen oder kleinreden: "Das tut der Versicherungsgesellschaft doch nicht weh!". Doch worin besteht ein eventueller materieller und immaterieller Schaden? Und wie hoch ist er?

Niemand ist gerne das Opfer von Betrug und jedermann hat wohl unbestritten das Recht, sich davor zu schützen. Tun die Versicherungsgesellschaften genug, um die Versichertengemeinschaft vor Versicherungsbetrug zu bewahren? Oder tun sie zu wenig, so dass der Eindruck genährt wird, der Ehrliche sei der Dumme? Es ist jedenfalls erstaunlich, wie wenig die Versicherungswirtschaft das Problem "Versicherungsbetrug" in der Öffentlichkeit thematisiert. Will man keine schlafenden Hunde wecken?

Dieser ethos-Baustein fördert die ökonomische und ethische Reflexion des Versicherungsbetrugs aus der Position des außenstehenden Beobachters. Im Gegensatz zur Position des unmittelbar involvierten Akteurs ("Betrüger") oder Adressaten ("Betrogener") begünstigt dies eine neutrale und rationale Analyse und Beurteilung des Sachverhalts. Der ethos-Baustein antwortet auf folgende Fragen:

  • Welche Ursachen und Motive begünstigen Versicherungsbetrug?
  • Warum ist die moralische Hemmschwelle zum Versicherungsbetrug oft niedrig?
  • Wer wird durch Versicherungsbetrug geschädigt? In welcher Weise?
  • Mit welchen Maßnahmen können Versicherer dem Betrug vorbeugen?
  • Wie decken Versicherer einen Versicherungsbetrug auf?
  • Welche Konsequenzen hat die Aufdeckung für den unehrlichen Versicherungsnehmer?

Für den Unterricht wurden zwei typische und alltägliche (Versicherungs-)Fälle ausgearbeitet. In einer Situationsanalyse werden die gegebenen Handlungsanreize sowie die strafrechtlichen Bestimmungen ermittelt. Die Fallbearbeitung mündet in einem moralischen Urteil über die gebotene Handlungsweise. Optional ist die Durchführung eines Praxiskontakts zu einem Versicherer, um die Praxis der Entdeckung und Bekämpfung von Versicherungsbetrügern zu erkunden.

Lehrplan-Bezug: Das Thema "Individualversicherungen" fällt in den Bereich der Daseinsvorsorge, dessen fundamentale Bedeutung für die ökonomische Bildung unbestritten ist, weil er eine immer größere Rolle im Leben jedes Einzelnen einnimmt. Dieser Baustein schließt eine Lücke im Bereich der finanziellen Bildung, die von den Lehrplänen insgesamt oft noch zu wenig berücksichtigt wird.

Baustein  

Versicherungsbetrug – Volkssport ohne Nebenwirkungen?

Ethische Norm und wirtschaftlicher Vorteil in einer ausgewählten Dilemmasituation

Autor:

Mark Oliver Meßmer

Hrsg.:

Thomas Retzmann / Tilman Grammes

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